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09.09.2009
Den antiken Mythos des Sisyphos umgedeutet Biografie
Von Kerstin Singer
Aurich - Mühsam rollt er den Fels den Berg hinauf ? doch
anders als im antiken Mythos gelingt es dem von Hans
Trimborn geschaffenen Sisyphos, ihn dort auch zu halten.
?Es ist zuletzt eine glückliche Figur?, sagte gestern
Landrat Walter Theuerkauf (SPD) vor dem Fassadengemälde
am Auricher Ulricianum.
Nach 53 Jahren hatte der Landkreis das von dem
bekannten Maler und Musiker geschaffene dreiteilige
Kunstwerk jetzt restaurieren lassen. Während Trimborn
1956 nur 2000 D-Mark als Honorar für die Auftragsarbeit
bekam, waren die Wiederherstellungskosten fünfmal so
hoch. Rund 10 000 Euro kostete die aufwendige Aufarbeitung
des in verschiedenen Putzschichten aufgetragenen Gemäldes.
Die Farben waren durch die Witterung stark ausgeblichen,
an vielen Stellen war bereits Putz abgeblättert. ?Wir
konnten die Arbeiten aus Restmitteln für die
Giebelsanierung des Schulgebäudes finanzieren?, erklärte
Theuerkauf.
Der stellvertretende Schulleiter Hans-Jürgen
Westermayer freute sich darüber, dass das Werk nun wieder
deutlicher sichtbar sei. Schließlich habe es einen
deutlichen Bezug zum Mühsal des Lernens. Es werde auch
immer wieder im Kunstunterricht thematisiert, wie Lehrer
Herbert Müller bestätigte.
Theuerkauf hatte im Gespräch mit Trimborns Witwe Maria
Immer, die heute noch in Norden lebt, erfahren, dass sich
der Künstler stark mit dem französischen Philosophen
Albert Camus beschäftigt hat, als er das Werk schuf.
Bereits Camus habe den Mythos des Sisyphos umgedeutet und
das ständige Bemühen als Erfolg gewertet. Insbesondere
die Existenz des Künstlers habe er darin widergespiegelt
gesehen, bestätigte Müller.
Hans Trimborn wurde 1891 in Plittersdorf bei Bonn
geboren. Obwohl er Medizin studierte, arbeitete er vor
allem als Maler und Musiker. Bereits in den 20er Jahren
des 19. Jahrhunderts zog es den gebürtigen Rheinländer
nach Ostfriesland. Er ging zusammen mit seiner ersten
Ehefrau Marta Trapp nach Norderney.
Beeinflusst wurden seine Werke unter anderem vom
rheinischen Expressionismus und von der Malerin Paula
Modersohn-Becker.
Künstlerische Spuren in Ostfriesland hinterließ Hans
Trimborn beispielsweise durch Auftragsarbeiten an der
Decke des Cafés Marienhöhe auf Norderney, in der
Kreissparkasse Norden sowie am Ulrichsgymnasium in Norden.
1960 zog Hans Trimborn gemeinsam mit seiner zweiten
Frau Maria Immer von Arle nach Norden, wo er 1979 starb.
Quelle: Ostfriesen Zeitung online: 9. 9. 2009 |