Herzlich Willkommen bei unserer neuen Rubrik „Wusstest Du schon...?“
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Hier will ich versuchen, ein paar mehr oder weniger alltägliche, aber doch hoffentlich interessante Fragen zu beantworten.. Ich will versuchen, jede Woche ein anderes Thema zu beleuchten. Und wenn euch etwas einfällt, was ihr immer schon mal wissen wolltet, könnt ihr mir das per E-mail an maja.extra@gmx.de schicken. Vielleicht schreibt ihr auch noch kurz, wo ihr das aufgeschnappt habt, oder was euch schon mal dazu einfällt. Dann weiß ich gleich, was ihr meint, und versuche in eurer Richtung weiterzusuchen.

"Ein Meter ist der zehnmillionste Teil des Abstandes zwischen Nordpol und Äquartor" , erklärte Herr Talleyrand am 22.Juni 1790 dem französischen Kaiser. Dieser hatte nämlich zuvor Talleyrand und einigen anderen Gelehrte aufgetragen, ein Maßsystem zu entwickeln, dass Ordunung in das herrschende Durcheinander von Maßeinheiten und Gewichten bringen sollte. Und nun war es so weit. Der "Urmeter" war festgelegt und wurde in Form einer Platinstange, die genau den zehnmillionsten Teil des Abstandes zwischen Äquator und Nordpol darstellte, dem Kaiser von Frankreich vorgestellt.
Alle Vielfache und Teile des Meters sind in Zehnerschritte eingeteilt, also dezimal. "Dezi" bedeutet Zehn, und das Wort "Meter" ist aus dem Griechischen "metron" und dem Lateinischen "metrum" abgeleitet.
Also erklärte der Kaiser alle anderen Maßeinheiten wie Elle oder Fuß oder irgendwelche anderen herrscherspezifischen Maßeinheiten für ungültig. Es war nämlich bis Dato üblich, dass die Kaiser und Könige eigene Maßeinheiten festlegten, die bei einem Thronwechsel mitwechselten. In England wurde 1 Yard zum Beispiel durch König Heinrich I definiert. 1 Yard bezeichnet nämlich die Entfernung seines Daumennagels von seiner Nasenspitze. (welch exquisiter Einfall!!)
Speziell in Deutschland herrschte besonderes Chaos. Jede noch so kleine Grafschaft, jedes Herzogtum und sogar jede Stadt hatte ein anderes Maßsystem. Das Durcheinander schlug sich sogar Teilweise in der Währung und in den Gewichtseinheiten nieder. In Ostfriesland gab es sogar das Phänomen, dass zum Beispiel das tatsächliche Gewicht eines Pfundes (ein Pfund = 500 g ) von Ort zu Ort variierte. So wog in Esens ein Pfund 525g, jedoch in Dornum nur 491g und in Aurich nur 475g.


Urmeter

Zurück nach Frankreich. Dort versuchte der Kaiser mittlerweile verzweifelt, sein metrisches System durchzusetzen. Da sich aber die Bürger trotz angedrohter Strafen kontinuierlich stäubten und sogar ein Volksaufstand drohte, verschob er die Einführung der neuen Maßeinheiten vorerst. 1840 erst gelang es, das metrische System durchzusetzten, und 1872 wurde auch in Deutschland die neue Maßeinheit und eine neue Namesgebung eingeführt. Durch die Franzosen kamen nämlich die Nachnamen zu uns. Das wurde vor allem in Ostfriesland bemerkbar. Die Familienväter wurden dazu angehalten, sich einen Nachnamen für ihre Familie auszudenken und diesen dann dem Bürgermeister mitzuteilen. Dieser hielt den Namen dann urkundlich fest. Außerdem war es vorher so üblich, dass, wenn zum Beispiel zwei Eheleute heiraten wollten, die Frau ihren Mädchennamen behielt. Heiratete Frida Müller also Hein Jannssen, hieß sie weiterhin Müller und er Jannssen. Das wurde abgeschafft.

Von Frankreich aus breitete sich das neue Maßsystem in der ganzen Welt aus. Zuerst kam es in die Niederlande und nach Chile und Panama. Dann erst kam es nach Deutschland. Die Letzten waren Ägypten und Indien, die bis nach dem zweiten Weltkrieg warteten, und Kuba, das sich 1961 zum Meter entschloss. Die einzigen Staaten, die sich immer noch nicht mit dem Meter anfreunden können (oder wollen) sind die USA und England. (Ist auch irgendwie verständlich. Der Meter wurde ja auch von den Franzosen erfunden, und die Amis und Engländer haben sich ja noch nie mit den Franzosen verstanden...). In den USA gilt immer noch Mile ( = 1,6 km), Inch, Foot und Gallon. Der Meter sei "unamerikanisch". Die Engländer können aber ihren alten Heinrich auch nicht ganz vergessen, sie rechnen auch immer noch in Yards, etc. Die Wissenschaft hat sich jedoch auf das metrische System geeinigt und arbeitet einheitlich mit Meter und Zentimetern.
Allerdings kommt es trotzdem manchmal zu Ungereimtheiten beim Zusammenbau von Geräten auf internationaler Ebene. So kam nämlich wohl der Absturz der Columbia im Frühjahr letzten Jahres zustande. Bei der Flugkapsel gab es nämlich Missverständnisse zwischen Zoll und Inch, und somit wurde ein Teil unpassend eingebaut, was den Absturz zur Folge hatte.

So, das war's dann erst mal wieder!
Bis zum nächsten mal,
Martina

Wusstest Du schon ...? - Lexikon 

 

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zuletzt geändert: 19.01.05 16:19:49
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