JANI  KRISTINA CHARLOTTE  MAXI     

- Eigentlich haben wir ja nix zu sagen.   

(... und wir sind auch viel zu müde dafür... )

  - Aber sollten wir nicht?

  - Was?

  - Etwas zu sagen haben. Wird nicht von uns erwartet, dass wir nach 13 Jahren Schule irgendetwas zu sagen haben?

  - Aber was? Wir waren doch ein braver Jahrgang ohne Skandale größeren Ausmaßes – von unserer Abifete vielleicht mal abgesehen - unseres Wissens hat zumindest nie einer von uns versucht, die Schule anzuzünden oder das halbe Schulinventar mit nach Hause zu nehmen.

W a s   h a b e n   w i r   z u   s a g e n ?

Eigentlich sollten wir den nachfolgenden Schülern etwas sagen.

Seid dankbar für die jungen und junggebliebenen Lehrer, auch wenn ihr ungewohnter Ideenreichtum und ihre Motivation für euch mehr Arbeit bedeuten. Aus einem flexiblen Jungpädagogen läßt sich viel zu schnell ein trockener, versteifter Beamter machen.

Macht es besser als wir:

Versucht, euren Jahrgang vor dem Ende eurer Schulzeit kennenzulernen, denn es ist deprimierend, im 13. Jahrgang festzustellen, dass ein ganzer Haufen netter Leute bereits seit der 7. Klasse nur ein paar Schritte weiter gesessen hat.

Lasst euch nicht aufhalten und von Rückschlägen nicht entmutigen, und interessiert euch für das, was euch jeden Tag in der Schule umgibt.

Zeigt Eigeninitiative, auch wenn euch das weit mehr abverlangt als der Passivität des Zuguckens zu verfallen.

Aber warum sollten die Schüler uns zuhören?

Ihre Probleme sind nicht mehr unsere Probleme, unsere Einsicht ist noch nicht ihre Einsicht.

Der Tragödie erster Teil liegt hinter uns.

Wir haben uns auch nie um sie gekümmert als wir noch zu ihrer Welt gehörten -  warum sollten sie jetzt unsere Ratschläge wollen?

Und selbst wenn einige von ihnen uns trotz alledem zuhörten, so würden sie es doch nicht wagen unseren Ratschlägen zu folgen. Zu groß ist der Widerstand, der ihnen von Lehrern und auch Mitschülern entgegengebracht wird. Und darüber hinaus...

- ... und darüber hinaus sind die meisten Schüler auch gar nicht hier.

 - Öh... wir könnten diesen Teil der Rede vervielfältigen... und als Flugblätter auf dem Schulhof verteilen.

 - Gut. Später.

 Eigentlich sollten wir auch den Lehrern etwas sagen.

Wir sollten ihnen erklären, wie unser perfekter Lehrer aussieht.

Der Mensch, der uns in höchstem Maße motiviert und dem wir unsere größte Aufmerksamkeit schenken, einfach weil er sie verdient – und weil er sie haben möchte.

Aber wir können es nicht.

Den „perfekten Lehrer“ gibt es nicht.

Wie es auch keinen perfekten Schüler gibt.

Und wenn dem so ist, müssen wir uns wohl auf einen Kompromiss einigen.

Wenn wir jetzt sagen, dass wir ernst genommen werden wollen, ist das wohl eine Formulierung, die man schon viel zu oft gehört hat – und mittlerweile wahrscheinlich überhört.

Trotzdem – ist es so.

Wir sollten ihnen sagen, dass wir als die unterschiedlichen Persönlichkeiten wahrgenommen werden wollen, die wir sind. Wir sind nicht „Die Schüler“, keine anonyme Masse.

Wenn man uns zeigt, dass wir es wert sind, als Individuum betrachtet zu werden, steigert das doch nur unser Selbstvertrauen. Und dies wiederum kann sich doch nur positiv auf unsere Entwicklung auswirken.

Aber warum sollten SIE uns zuhören ?

Wir sind sicher nicht die ersten, die von diesen Dingen sprechen, und wir werden ganz sicher nicht die letzten sein. Traurig, oder nicht?

Im übrigen sind wir ja auch die „Küken“, gerade erst in die Welt entlassen – beziehungsweise noch nicht mal, warten wir noch eine Stunde – und haben somit bei weitem nicht die Lebenserfahrung, die bei den meisten von ihnen SICHERLICH vorhanden ist.

Daher dürfte es keinem von ihnen schwer fallen sich vorzustellen, wie viele Erfahrungen WIR im Laufe unserer Schulzeit mit den verschiedensten Lehrern, Lehrstilen und Lehrinhalten gemacht haben. Macht uns das nicht zu Kritikern, deren Meinung zu hören sich lohnt?

Eigentlich sollten wir auch etwas über die schönen Dinge sagen, die wir in -- oder vielmehr durch die Schule erfahren haben.

DAS ERSTE MAL – wie viele erste Male gab es in dieser Zeit – die meisten fanden den ersten richtig guten Freund, viele verliebten sich zum ersten Mal, und einige gingen auch die erste Beziehung ein.

Die meisten tranken in der Zeit zum ersten mal Alkohol, fuhren nach Holland... und erlebten die bekannten Auswirkungen.

Die erste Zigarette - für einige war es bestimmt nicht die letzte – das erste selbstverdiente Geld, die erste Nacht im Dinis, das erstemal ein Fahrzeug bewegen und dazu nicht die eigene Körperkraft verwenden... die Liste ist endlos, und mit jedem neuen ersten Mal sind wir ein Stück „erwachsener“ geworden.

Ob man „Erwachsen werden“ nun als schön ansehen möchte oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Auf jeden Fall haben wir uns entwickelt.

 Wir alle zusammen haben die Schule doch erst für uns interessant gemacht, sei es als bester Freund oder liebster Feind.

Also lasst uns, wenn wir uns an die Schule zurückerinnern, an die Menschen denken, die uns täglich umgeben haben - auch wenn uns dabei bewusst wird, dass wir viele von ihnen nicht mehr so oft oder auch gar nicht mehr sehen werden.

„Wohin soll es nun gehen?“

„Wohin es uns gefällt.

Wir sahen bereits die kleine, und sehen nun die große Welt.“

Unser spezieller Dank gilt all den Lehrern, die auf ganz besondere Weise zu unserer Reife uns Selbstständigkeit beigetragen haben – sie haben uns gezeigt, dass man mit der Wahrheit nicht immer am weitesten kommt, und dass einen wenig Arbeit mindestens so weit bringt wie größere Anstrengungen.

Vor allem haben sie uns gezeigt, dass man, wenn man nur die richtige Position hat - die nebenbei bemerkt auch noch unkündbar ist... –  sich mit Kritik nicht mehr befassen muss.

Über Ihren Einfluss auf unser Leben können sie sich am besten selbst Gedanken machen.

Wir wollen, und können uns nicht bedanken bei einigen Lehrern, die uns unsere Selbstverantwortlichkeit und eigenen Fähigkeiten abgesprochen haben, unsere Meinung ignoriert und uns in unserer Entwicklung mehr gehemmt als gefördert haben.
Die Steine, die sie uns in den Weg legten, wurden für uns zu Mauern, die uns bei weitem nicht zum Ersteigen ermutigten, sondern uns resignieren und aufgeben ließen.

Wir hoffen, dass sie den uns nachfolgenden Schülern erspart bleiben.

Wir wollen DANKE sagen, [ein aufrichtiges Danke] den Lehrern und Menschen, die sich für uns eingesetzt haben, die sich für uns interessiert haben und uns als selbstständige Menschen ernstgenommen haben.

Sie hatten ohne Zweifel Einfluss auf unser Leben, und werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.