Nun aber mal "Butter bei die Fische":
Prag hat für alle was zu bieten, nicht nur tagsüber mit den
Lehrern, sondern auch nachts ohne sie. Am besten gebe ich einfach
kurz einen Einblick in unsere Kursfahrt nach Prag.

Wir setzten uns gemeinsam mit drei anderen Kursen das Ziel,
Prag innerhalb einer Woche zu erobern, was meiner Meinung nach
gelungen ist.
Bereits auf der Hinfahrt, die immerhin zwölf Stunden dauerte,
stieg die Stimmung schon nach kurzer Zeit und schon jetzt tauchten
die ersten Konflikte zwischen Schülern und Lehrern auf,
da es auf der gesamten Fahrt ein Alkoholverbot gab. Aber es
stellte sich heraus: "Regeln sind da, um gebrochen zu
werden." So kam es dazu, dass das eine oder andere Bier von
den Lehrern konfisziert wurde, was aber niemanden störte. Abends
kamen wir dann endlich im Hotel an. Nach einem Tag Zugfahrt standen
einigen von uns jedoch die Erschöpfung und Müdigkeit ins Gesicht
geschrieben, diese gingen deshalb auch früh schlafen. Die anderen
genossen das im Vorfeld hoch gepriesene erste Prager Bier, welches
fast alle Erwartungen erfüllte. Gut und billig, diese Kombination
lud fast jeden im Laufe einer Woche zur Wiederholung ein.
Der erste Tag, ein Samstag; war bereits vollkommen durchgeplant.
Auf dem Plan stand eine Stadtführung, die sich unserer Meinung
nach sehr lohnte, da man dort sehr gut eine grobe Orientierung der
Stadt für den Rest der Woche bekam. Der Rest des Tages stand zur
freien Verfügung, so konnten alle die ersten eigenen Erfahrungen
mit "Land und Leuten" machen. Später wurde wie fast
jeden Abend gefeiert, worauf ich aber an anderer Stelle
zurückkommen werde.
Am Sonntag, dem wohl eindrucksvollsten Tag des Pragaufenthaltes,
besuchten wir Theresienstadt (Konzentrationslager, Judenghetto)
und Lidice. Für mich war dies ein sehr bewegender Tag, da ich
vorher noch nie ein Konzentrationslager besichtigt hatte. In
vielerlei Hinsicht übertraf das Grauen und Leid, was es dort
gegeben haben muss, meine Vorstellungskraft.
Am Montag gab es dann die letzte professionell geleitete Führung.
Sie sollte uns einen Überblick über Franz Kafka geben. Meiner
Meinung nach war diese Führung aber eher misslungen und man
hätte sie besser durch ein Schülerreferat ersetzen können, da
der Führer so von sich selbst überzeugt war, dass er sich selbst
als Franz Kafka bezeichnete. Er sah in seinem Leben diverse
Übereinstimmungen zu dem Schriftsteller, sodass er zu keinem
anderen Schluss kommen konnte.
An den folgenden Tagen gestalteten die Kurse jeweils ihr eigenes
Programm, allerdings standen noch zwei gemeinsame Programmpunkte
auf dem Plan - das Nationalmuseum und das Fussballspiel Sparta
gegen Slavia, was sich zu einem hochklassigen Derby entwickelte.
Die Sicherheitsvorkehrungen waren enorm, da die Fans, Hooligans
von Sparta Prag, einem Ex-Militärclub, extrem rechts und
gewaltbereit waren. Das Spiel musste fast aufgrund der
rechtsorientierten Fans abgebrochen werden, da sie nicht aufhören
wollten, antisemitische Parolen zu grölen. Das Spiel ging dann
doch 4:1 für Slavia aus. Ich war froh, unversehrt wieder aus dem
Stadion herausgekommen zu sein, da es nach dem Spiel diverse
Auseinandersetzungen mit den Fans und den Hundertschaften der
Polizei gab.
Mit unserem Kurs arbeiteten wir dann alle die für einen
Geschichtskurs verpflichtenden Sehenswürdigkeiten ab. Zu jeder
Sehenswürdigkeit hatte sich ein Schüler bereits im Vorfeld so
vorbereitet, dass er die Führung übernehmen konnte. So besuchten
wir z.B. die Prager Burg, die Palastgärten, den Judenfriedhof
usw.
Nun aber nochmal zu den Abendaktivitäten. Man konnte diese auf
zweierlei Wege gestalten:
· Kulturelle Aktivitäten wie Konzertbesuche, Oper und was Prag
noch zu bieten hat. Diese Besuche wurden in Kleingruppen durch die
Lehrkräfte organisiert.
· Party! Egal wie! In dieser Hinsicht hat Prag viel zu bieten.
Seien es die Bars, Diskotheken, Clubs oder auch einfach die
Hotelzimmer. Alles musste herhalten. Vor allem aber die Nerven der
Lehrer.
So kam es dazu, dass am Abschlussabend diverse Leute ein Alkohol-
oder Weggehverbot oder beides in Kombination bekamen. So
gestaltete sich jener Abend eher ruhig. Allerdings hatten die
meisten auch genug in dieser Woche durchgemacht und blieben
ebenfalls im Hotel oder in der Bar, die sich in der Nähe des
Hotels befand, und saßen dort gemütlich zusammen. Bei dieser
Abschlussfeier, die für alle Pflicht war, wurden dann auch noch
die "Kulturbanausen" Steffen und Martin geehrt und
gewannen ein Prager T-Shirt, auf das sie beide sehr stolz waren.
Heiner Eilers
Kurs: Geschichte Ge 72
Tutor: Dr. Kunkel
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