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Wissenschaftstage: Hirnforschung


Am Samstagabend stellte der Frankfurter Hirnforscher Prof. Dr. Dr. Singer unter dem Titel "Philosophische Implikationen der Hirnforschung" seine höchst interessanten Thesen vor. Hier ist der Bericht der Ostfriesen Zeitung darüber.

 

05.11.2007

Freier Wille des Menschen oder nur neuronale Prozesse im Körper?

WISSENSCHAFTSTAGE Der Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer stellte in Aurich seine umstrittenen Thesen vor

Das Interesse an der Auftaktveranstaltung im neuen Forum des Ulricianums war sehr groß.

aurich / NI - Am Sonnabend, noch vor der eigentlichen Eröffnung, gab es schon einen ersten Höhepunkt der 18. Auricher Wissenschaftstage: Im neuen Forum des Gymnasiums Ulricianum sprach der renommierte Naturwissenschaftler und Hirnforscher Wolf Singer aus Frankfurt über das Thema „Philosophische Implikationen der Hirnforschung“.


Vor allem Philosophen wie Jürgen Habermas kritisieren Singers naturalistischen Ansatz und sein Weltbild und warnen vor deren angeblich negativen Folgen für das menschliche Zusammenleben. Entsprechend groß daher das Interesse: Der Veranstaltungsraum war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Tun wir nur das, was das Gehirn uns vorgibt und vorschreibt? Professor Singer stellte die bisherige Vorstellung vom freien Willen des Menschen bei seinem Vortrag in Frage. Das sei mehr eine Wunschvorstellung, eher ein gutes subjektives Gefühl, das aber den Naturgesetzen des Gehirns nicht standhalte, betonte der Direktor des Max- Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt. Alle Willenserklärungen, Entscheidungen und Handlungen des Menschen beruhten auf neuronalen Prozessen im Gehirn, so die These des Hirnforschers.

Wenn sich der Mensch für eine Handlungsalternative frei zu entscheiden glaube, „findet das bewusste Überlegen aber in der Großhirnrinde statt“, sagte Singer. Komplexe neuronale Netzwerke stellten tatsächlich die Überlegungen an. Die naturwissenschaftlichen Vorgänge im Hirn verhinderten aber nicht die kulturelle Evolution. Auch feste Systeme hätten kreative Eigenschaften und könnten Neues in die Welt setzen.

Doch auch hohe Abstraktionsleistungen des Menschen basierten letztlich auf naturwissenschaftlichen Vorgängen. Da ihm diese Vorgänge fremd blieben, sehe sich der Mensch dann gerne als ein autonomes, zu jeder Zeit frei handelndes Individuum, so Singer. Der Wissenschaftler warnte davor, die menschlichen Erkenntnisleistungen zu überschätzen: „Wir können gar nicht wissen, was wir alles noch nicht wissen.“

Und so beantwortete Singer die Frage eines Zuhörers nach dem Stellenwert des Selbstmords und der Verweigerung der Fortpflanzung im System des Evolutionsprozesses auch mehr achselzuckend unwissenschaftlich. Da habe die Evolution wohl etwas nicht recht im Griff, „da muss was schief gelaufen sein“, meinte Singer. Eine fundierte Erklärung könne er auch nicht geben, gestand der Professor ein.

Quelle: Ostfriesen Zeitung - 5. November 2007

 

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